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Verdacht auf Nesselsucht – die Diagnose

Diese Untersuchungen schaffen Klarheit

Juckende, gerötete Haut und Quaddeln können Betroffene belasten. Eine frühzeitige Abklärung durch eine*n Dermatolog*in ist deshalb ratsam. Die Diagnose der chronischen Nesselsucht muss nicht langwierig sein: Statt endloser Suche nach Auslösern können gezielte Diagnoseschritte und ein zügiger Behandlungsbeginn unterstützen, Beschwerdefreiheit zu erreichen. Der Prozess erfolgt in drei Schritten: Anamnese, körperliche Untersuchungen und gegebenenfalls spezifische Tests.1

Direkt zum gewünschten Inhalt: 

Die Anamnese ist das strukturierte Gespräch zwischen dir und deinem*deiner Ärzt*in. Bei der Nesselsucht ist sie besonders wichtig, denn durch die Vielzahl von Formen und Auslösern einer Urtikaria sollten möglichst viele Aspekte bereits im Gespräch erfasst werden. Zu der Anamnese gehören Fragen nach deinen Symptomen und Beschwerden, aber auch zu deiner medizinischen Vorgeschichte und deinen Lebensumständen. Bei Verdacht auf chronische Nesselsucht beinhaltet die Anamnese unter anderem folgende Punkte:1,2,3,4

  • Welche Symptome (Jucken, Schwellungen der Haut und Schleimhäute) treten bei dir auf und seit wann?
  • Wie verlaufen deine Symptome und hat jemand in deiner Familie ähnliche Beschwerden? Wichtig sind die durchschnittliche Dauer der Schwellungen (Minuten/Stunden/Tage), wie häufig und an welchen Stellen sie auftreten.
Eine Frau in weißem Kittel und mit umgehängtem Stethoskop unterhält sich mit einer anderen Frau.
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  • Sind bei dir in letzter Zeit außer den typischen Schwellungen an Haut und Schleimhäuten weitere Symptome aufgetreten? Etwa Fieber, Gelenkschmerzen, Atemnot oder Magen-Darm-Probleme?
  • Kennst oder vermutest du Auslöser für deine Symptome. Wenn ja, welche?
  • Ist deine Lebensqualität durch die Symptome beeinträchtigt (Schlaf, Arbeit, Schule, Privatleben)?
  • Zeigen sich bei dir psychische Belastungen wie Depressionen oder Angstzustände? Sie können Folgen einer chronischen Nesselsucht sein und eine Behandlung erfordern.
  • Nimmst du aktuell Medikamente aufgrund der Symptome ein? Wenn ja, welche, in welcher Dosis und wie häufig? Wie gut helfen sie?
  • Nimmst du weitere Medikamente regelmäßig oder bei Bedarf ein (zum Beispiel bei Kopf-, Gelenkschmerzen oder Schilddrüsenerkrankungen)?

Um dich auf das Gespräch vorzubereiten, nutze eine Checkliste.

Deine passende Facharztpraxis finden 

Es ist wichtig, dass Patient*innen zu Fachärzt*innen gehen, bei denen sie sich von Beginn an gut aufgehoben, beraten und behandelt fühlen. Das gilt insbesondere bei Erkrankungen wie Urtikaria, die unter Umständen chronisch verlaufen und eine dauerhafte fachärztliche Begleitung erfordern. Du bist noch auf der Suche nach einer Facharztpraxis? Um Dermatolog*innen zu finden, nutze die Facharztsuche: Gib einfach deine Postleitzahl oder deinen Wohnort ein und lass dir Praxen in deiner Nähe anzeigen, die sich auf Urtikaria spezialisiert haben.

Eine Frau in weißem Kittel betrachtet den rechten Oberarm einer weiteren Person durch eine Lupe.
iStock-671357072_Zinkevych

Der zweite Schritt ist die körperliche Untersuchung der Patient*innen. Dein*e Ärzt*in erfasst und beurteilt deine Symptome durch Sicht und Tasten.1 Unter Umständen fallen dabei auch Symptome auf, die auf eine andere Erkrankung als Urtikaria deuten. Diese Differenzialdiagnosen spielen auch bei den folgenden Untersuchungen eine wichtige Rolle. Da Quaddeln und Angioödeme vorübergehender Natur sind, kann es sein, dass sie zum Zeitpunkt deiner körperlichen Untersuchung nicht vorhanden sind. Deshalb ist es wichtig, bereits vor dem Termin deine Symptome zu dokumentieren (zum Beispiel mit einem Urtikaria-Tagebuch und auch zu fotografieren,1 am besten bei guten Lichtverhältnissen und ohne Blitz).

Illustration eines Buchs, in dem Folgendes dokumentiert werden soll: Symptome, Medikamente, Ernährung, Aktivitäten, Stresssituationen.
Novartis Pharma GmbH

Tests und Laboruntersuchungen wie Blutbild bei Nesselsucht

Basierend auf der Anamnese und der körperlichen Untersuchung legt dein*e Ärzt*in bei der Diagnose von Nesselsucht weitere Untersuchungen fest. Je nach der vermuteten Form der Nesselsucht gibt es in einer Leitlinie vorgeschlagene Routinediagnostiken sowie Empfehlungen für erweiterte Untersuchungen.1

Untersuchungen bei akuter Urtikaria meist nicht erforderlich

Bei akuter Urtikaria sind in der Regel keine weiteren Untersuchungen notwendig, da die Symptome meist nach kurzer Zeit von allein wieder abklingen. Eine gezielte Befragung zu möglichen Auslösefaktoren ist jedoch wichtig. Nur bei einem eindeutigen Verdacht auf Allergie sollte diesem nachgegangen werden. Bei kleinen Kindern kann das empfehlenswert sein, wenn eine Reaktion auf Nahrungsmittel wie Milch, Ei oder Erdnüsse naheliegt, um möglicherweise schweren allergischen Reaktionen (Anaphylaxie) vorzubeugen.

Untersuchungen bei chronischer Nesselsucht

Anders ist es bei den Formen der chronischen Nesselsucht. Bei Verdacht auf chronische spontane Nesselsucht werden Labortests durchgeführt:1,5,6

  • Differenzialblutbild: Bei dieser Untersuchung werden die Blutzellen inklusive der unterschiedlichen Formen der weißen Blutkörperchen bestimmt und gezählt. Das Ergebnis lässt auf mögliche Infektionen und Entzündungen schließen, die Nesselsucht auslösen könnten.
  • Ermittlung der Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG). Sie gibt an, wie schnell die roten Blutkörperchen einer Blutprobe innerhalb einer Stunde in einem Laborröhrchen absinken. Ist der Wert erhöht, kann das auf entzündliche Erkrankungen hinweisen.7
    Und/oder:
    Bestimmung des C-reaktiven Proteins (CRP). Das CRP gilt als Indikator für entzündliche Prozesse im Körper. Die Leber bildet es, und ein erhöhter Wert im Blut lässt auf mögliche Infektionen schließen, aber auch auf nicht infektiöse Entzündungen wie chronisch-entzündliche Erkrankungen.
Eine Frau mit Handschuhen und Haarschutz nimmt einer anderen Frau in der linken Armbeuge Blut ab.
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Weitere diagnostische Tests kommen zum Einsatz, wenn es Hinweise auf mögliche Auslöser wie Infektions-, Autoimmun- und Schilddrüsenerkrankungen gibt.1

Bei der chronischen induzierbaren Nesselsucht gilt es, auslösende Reize wie Wärme, Kälte, Druck oder Licht durch Provokationstests zu bestätigen und deren Schwellenwert zu bestimmen.Bei der Kälteurtikaria und dem symptomatischen Dermographismus (früher Urticaria factitia)sollten zusätzlich ein Differenzialblutbild erstellt und Entzündungsparameter (CRP/BSG) bestimmt werden, um andere Erkrankungen auszuschließen.5

Wichtig für die Diagnose einer Nesselsucht ist auch die Überprüfung, ob die chronische spontane Nesselsucht eventuell zusammen mit der induzierbaren Form auftritt, denn gelegentlich treten diese Formen in Kombination auf.1 Die Behandlungsansätze könnten dadurch variieren.

Übersicht der Routinediagnostik bei chronischer Urtikaria

Chronische spontane Nesselsucht

  • Anamnese
  • Körperliche Untersuchung
  • Differenzialblutbild, Blutsenkungsgeschwindigkeit oder Bestimmung CRP
  • Gegebenenfalls weitere diagnostische Tests

Chronische induzierbare Nesselsucht

  • Anamnese
  • Körperliche Untersuchung
  • Provokationstest zur Bestätigung und Bestimmung des Schwellenwerts von auslösenden Reizen
  • Gegebenenfalls Differentialblutbild und Entzündungsparameter

Allergietest in der Regel nicht erforderlich

Routinemäßige Allergietests ohne gezielten Hinweis auf eine Allergie sind nicht sinnvoll.1 Als Auslöser für die Symptome Quaddeln, Jucken und Angioödeme wird zwar häufig eine Allergie vermutet, aber in den seltensten Fällen handelt es sich auch um eine.

„Patienten denken häufig, dass es sich bei der Nesselsucht um eine Allergie handelt. Aber in über 85 % der Fälle ist das nicht der Fall“, sagt Dr. Ralf Denfeld, Dermatologe aus Stuttgart. Das Interview kannst du dir hier ansehen:

Center

Wie wird Nesselsucht diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt in drei Schritten: Zunächst führt der*die Ärzt*in ein ausführliches Gespräch über Symptome und Krankheitsgeschichte durch. Danach folgt eine körperliche Untersuchung durch Ansehen und Abtasten der Haut. Bei Verdacht auf chronische Nesselsucht werden abschließend weitere Tests durchgeführt.

Welche Untersuchungen können bei chronischer Urtikaria durchgeführt werden?

Bei chronischer spontaner Nesselsucht können Labortests mit Differenzialblutbild und Entzündungswerten (Blutsenkungsgeschwindigkeit oder C-reaktives Protein) durchgeführt werden. Diese Untersuchungen helfen, Infektionen oder Entzündungen als mögliche Auslöser zu erkennen. Bei der induzierbaren Form der Nesselsucht werden Provokationstests eingesetzt, um die auslösenden Reize wie Kälte oder Druck zu bestätigen.

Wann ist ein Allergietest sinnvoll?

Ein Allergietest sollte nur bei konkretem Verdacht auf eine Allergie durchgeführt werden – um eine mögliche Nesselsucht davon klar abzugrenzen. Bei kleinen Kindern kann er sinnvoll sein, wenn eine Reaktion auf bestimmte Nahrungsmittel wie Milch oder Erdnüsse vermutet wird. Routinemäßige Allergietests ohne gezielten Hinweis sind nicht empfehlenswert, da Allergien nur selten der Auslöser von Nesselsucht-Symptomen sind.

Sollten bei Nesselsucht auch psychische Faktoren untersucht werden?

Ja, psychische Belastungen wie Depressionen oder Angstzustände sollten abgeklärt werden. Sie können eine Folge der chronischen Nesselsucht sein und die Lebensqualität beeinträchtigen. Die Erfassung psychischer Faktoren gehört zum ärztlichen Gespräch.

Wann solltest du eine*n Spezialist*in (z. B. Dermatolog*in) aufsuchen?

Ein*e Dermatolog*in solltest du konsultieren, wenn die Symptome länger als sechs Wochen anhalten. Dies deutet auf eine chronische Nesselsucht hin, die eine spezialisierte Untersuchung erfordert. Eine Praxis in deiner Nähe findest du mit der Facharztsuche.

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Quellen:

  1. Allergieinformationsdienst. Urtikaria (Nesselsucht). https://www.allergieinformationsdienst.de/krankheitsbilder/urtikaria (zuletzt aufgerufen am 04.05.2026).
  2. Cherrez-Ojeda I, et al. World Allergy Organ J. 2017 Oct 3;10(1):34. doi.org/10.1186/s40413-017-0165-0 (zuletzt aufgerufen am 04.05.2026).
  3. Bauer, A et al. Allergo J Int (2021) 30:64–75 doi.org/10.1007/s40629-021-00162-w (zuletzt aufgerufen am 28.02.2025).
  4. UNEV – urticaria network e. V. Patientenfragebogen – Chronische Urtikaria. https://www.psoriasisnetz.info/fileadmin/Media/PDF/Downloads_Patienten/Urtikaria/Patientenfragebogen_chronische_Urtikaria__Erstvorstellung_.pdf  (zuletzt aufgerufen am 04.05.2026).
  5. DocMedicus. Nesselsucht (Urtikaria) – Labordiagnostik. https://www.gesundheits-lexikon.com/Haut-Haare-Naegel/Nesselsucht-Urtikaria/Labordiagnostik (zuletzt aufgerufen am 04.05.2026).
  6. Stiftung Gesundheitswissen. Untersuchungsmethoden - Laborwerte richtig verstehen. https://www.stiftung-gesundheitswissen.de/untersuchungsmethoden/laborwerte (zuletzt aufgerufen am 04.05.2026).
  7. Gesundheit.gv.at. Blutsenkung (BSG). https://www.gesundheit.gv.at/labor/laborwerte/infektionen-bakterien/blutsenkung1.html (zuletzt aufgerufen am 04.05.2026).

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