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Chronische
Infekte
  • Bei der Infekt-Urtikaria rufen – oft unentdeckte – Entzündungsherde im Körper den Juckreiz und die Quaddeln auf der Haut hervor. So kommt z.B. eine Magenentzündung durch das Bakterium Helicobacter pylori als Ursache für eine Nesselsucht infrage.
  • Neben Infektionen der Magenschleimhaut können Entzündungen der Nasennebenhöhlen, Bronchien, Mandeln und Zahnwurzeln dahinter stecken – wird der bakterielle Infekt erkannt und behandelt, verschwindet auch die Infekt-Urtikaria wieder.

Infekt-Urtikaria – Chronische Entzündungen

Wenn ein bakterieller Infekt Haut-Beschwerden auslöst: Juckende Quaddeln auf der Haut können durch chronische Infekte im Körper entstehen: Diese Nesselsucht-Form wird als Infekt-Urtikaria bezeichnet. Neben Infektionen mit einem für Magenerkrankungen verantwortlichem Bakterium kann eine Infekt-Urtikaria auch durch chronische Zahnwurzel- und Mandelentzündungen verursacht werden.

Wie kann die Infekt-Urtikaria erkannt werden?

Infekt löst Urtikaria aus

Die Infekt-Urtikaria kann als akute oder chronische Form der Urtikaria (Nesselsucht) auftreten. Sie ist aber kein bakterieller Infekt der Haut, sondern Folge einer anderen Infektion im Körper. Eine akute Urtikaria heilt innerhalb von sechs Wochen vollkommen aus. Als chronisch gilt eine Urtikaria, wenn diese über einen Zeitraum von mehr als sechs Wochen besteht.

Wie bei allen Formen dieser weit verbreiteten Hautkrankheit kann sich auch das Beschwerdebild der Infekt-Urtikaria sehr schnell ändern. So bilden sich die typischen stark juckenden Quaddeln und Hautrötungen teilweise unvermittelt und ohne ersichtlichen Grund zurück. Nach einer symptomfreien Phase kommt es dann wieder zu verstärkten Beschwerden.1

Die Diagnose einer Infekt-Urtikaria kann nur durch die Beseitigung des für die Infekt-Urtikaria verantwortlichen Entzündungsherds im Körper erfolgen. Verschwinden die Hautbeschwerden zeitnah mit dem behandelten Infekt, wurde die Urtikaria mit hoher Wahrscheinlichkeit durch diesen verursacht.2

Helicobacter pylori als Ursache: Welche Keime können zur Infekt-Urtikaria führen?

Bei einer Infekt-Urtikaria ist häufig das Bakterium Helicobacter pylori die Ursache. Es siedelt sich in der Magenschleimhaut an. Von einer Infektion mit diesem potenziellen Krankheitserreger sind in Deutschland rund 30 Millionen Menschen betroffen. Eine Helicobacter-pylori-Infektion kann akut oder chronisch sein. Symptome einer akuten Infektion sind Erbrechen und Übelkeit, unter Umständen auch Beschwerden im Oberbauch wie Sodbrennen, Aufstoßen und Blähungen.

Eine chronische Infektion verläuft dagegen häufig ohne auffällige Symptome. Wenn sie auftreten, handelt es sich um die beschriebenen Oberbauchbeschwerden. Betroffene bringen sie oft gar nicht mit einer Infektion in Verbindung und erwähnen sie im Arztgespräch erst auf Nachfrage.

Die Übertragung von Helicobacter-pylori-Bakterien erfolgt offenbar nur von Mensch zu Mensch. Die Übertragung findet in erster Linie oral statt, etwa beim Küssen. Häufig kommt es beim engen Kontakt zwischen Mutter und Kleinkind zur Übertragung, auch über Schnuller und Löffel, wenn diese von der Mutter durch Ablecken gereinigt werden – Ärzte raten deshalb davon ab. Die Übertragung der Bakterien durch verunreinigte Lebensmittel ist in erster Linie in Entwicklungsländer ein Problem.

Um eine Helicobacter-pylori-Infektion nachzuweisen, gibt es diese Möglichkeiten:

  • Magenspiegelung
  • Harnstoff-Atemtest
  • Stuhlprobe
  • Blutuntersuchung

Als weitere Auslöser der Infekt-Urtikaria kommen chronische beziehungsweise immer wiederkehrende Entzündungen der Nasennebenhöhlen, Bronchien, Mandeln und Zahnwurzeln in Betracht. Auch eine Besiedelung des Darms mit Pilzen der Gattung Candida wird als Ursache einer Infekt-Urtikaria diskutiert.3

Wie wird die Infekt-Urtikaria ausgelöst?

Die Aktivierung von Mastzellen in der Haut spielt bei der Urtikaria generell eine entscheidende Rolle. Wird das Immunsystem aktiv, setzen die Mastzellen vor allem das Hormon Histamin frei, das die Blutgefäße in der Haut für Flüssigkeit durchlässig macht. Dadurch kommt es auf der Haut bei einigen Menschen zu der für Urtikaria typischen Quaddelbildung – denn mit der Flüssigkeit treten unter anderem auch Lymphozyten und Leukozyten in obere Hautschichten aus. Diese Blutbestandteile bewirken wiederum Hautentzündungen und einen starken Juckreiz.

Weitere Substanzen, die Mastzellen freisetzen, sind Proteoglykane, Proteasen, Prostaglandine, Leukotriene und Cytokine. Sie wirken auf vielfältige Weise auf Entzündungen und Verletzungen, etwa bei der Blutgerinnung.

Bei einer Infekt-Urtikara erfolgt die Aktivierung der Mastzellen durch Allergene, die von Bakterien oder Pilzen freigesetzt werden. Auch die bei einer Entstehung von Entzündungen freigesetzten Anaphylatoxine tragen zur Aktivierung der Mastzellen bei.4

Aktivierte Mastzellen setzen Histamin frei

 

Therapie der Infekt-Urtikaria

Bei der Infekt-Urtikaria muss die Entzündung medikamentös behandelt werden

Bei einer Infekt-Urtikaria sollte die Therapie durch Beseitigung des Infektes oberste Priorität haben. So kann das Bakterium Helicobacter pylori durch eine Verabreichung von Antibiotika und Säureblocker (Eradikationstherapie) beseitigt werden.

Entzündungen von Zahnwurzeln werden meist durch eine Wurzelkanalbehandlung oder das Entfernen der Wurzelspitzen behandelt.

Bei chronischen Entzündungen der Mandeln kann eine Entfernung der Mandeln angebracht sein. Ist eine ursächliche Therapie durch Beseitigung des Infektes nicht möglich, können Antihistaminika die Symptome der Infekt-Urtikaria oft deutlich lindern.

Wie oben bereits erwähnt, kann der Zusammenhang einer Urtikaria mit einer Infektion erst dann endgültig nachgewiesen werden, wenn nach der erfolgreichen Behandlung des Infekts eine vollständige spontane Heilung (Remission) oder zumindest eine anhaltende Verbesserung der Urtikaria erfolgt.


Quellen:
1 Internetseite des Urtikaria Network e. V.: Wenn die Haut wie Feuer brennt. URL: http://www.urtikaria.net/de/ueber-urtikaria/ueberblick.html/. Zugriff am 28.09.2017.
2 M. Maurer, J. Grabbe: Urtikaria – gezielte Anamnese und ursachenorientierte Therapie. In Deutsches Ärzteblatt, CME Kompakt 2009 (1). URL: http://www.aerzteblatt.de/archiv/64190/Urtikaria-gezielte-Anamnese-und-ursachenorientierte-Therapie. Zugriff am 28.09.2017.
3 Sachdeva, S. et al., "Chronic Urticaria", Indian J Dermatol. 2011 Nov-Dec; 56(6): 622-628.
4 Ferencík, M. et al. (2004), "Wörterbuch Allergologie und Immunologie", New York, Wiesbaden, S. 215.