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Selbsthilfe-
Tipps
  • Es existieren zahlreiche mögliche Nesselsucht-Auslöser, darunter Medikamente, Lebensmittelzusatzstoffe, Alkohol und scharfe Gewürze. Für eine wirksame Behandlung ist die Identifizierung der Auslöser notwendig.
  • Bei der oft langwierigen Suche nach Nesselsucht-Auslösern kann ein Urtikaria-Tagebuch helfen, in dem Patienten ihre Beschwerden, Ess- und Lebensgewohnheiten dokumentieren. In Absprache mit dem Hautarzt werden potenzielle Risikostoffe gemieden.

Interview - Dr. Ralf Denfeld, Dermatologe aus Stuttgart

„Patienten denken häufig, dass es sich bei der Nesselsucht um eine Allergie handelt. Aber in über 85 % der Fälle ist das nicht der Fall.“

Nesselsucht-Auslöser: Was Betroffene besser meiden sollten…

Auch wenn es banal klingt: Grundsätzlich gilt es, alle bekannten oder vermuteten Nesselsucht-Auslöser zu vermeiden. Das gilt vor allem für bestimmte Medikamente – auch wenn diese seit Jahren problemlos eingesetzt und bislang gut vertragen wurden. Aber auch Farbstoffe, Konservierungs- und Aromastoffe sowie Gewürze und Alkohol können Auslöser der Nesselsucht sein.

Medikamente als mögliche Nesselsucht-Auslöser

Insbesondere sollten Betroffene die Einnahme sogenannter "nichtsteroidaler Antiphlogistika" vermeiden. Präparate, die diese Schmerzmittel enthalten, sind zum Beispiel Acetylsalicylsäure, Diclofenac und Ibuprofen. Schon bei einmaliger Einnahme können diese Medikamente einen schweren Quaddelschub auslösen.

Alternativ können dafür andere Medikamente (etwa Paracetamol) eingesetzt werden. Am besten fragen Sie ihren Arzt oder Apotheker nach möglichen Alternativen zu den von Ihnen verwendeten Medikamenten. Aber auch Alkohol oder Kaffee kommen als Nesselsucht-Auslöser infrage, da sie die Magenschleimhaut reizen. Auf diese Weise wird die Speicherung von Histamin in den sogenannten Enterochromaffin-ähnlichen Zellen (ECL-Zellen) der Magenschleimhaut stark eingeschränkt. Bei Histamin handelt es sich um einen Botenstoff, der bei Nesselsucht Quaddelbildung und Juckreiz herbeiführt.

Die ECL-Zellen sorgen gewöhnlich dafür, dass Histamin ausgeschüttet und dadurch die Magensäureproduktion angeregt wird. Wird die Aufnahme geblockt, wird mehr Histamin frei und kann Quaddelbildung und Juckreiz verursachen.

Durch ECL-Zellen wird Histamin ausgeschüttet und dadurch die Magensäureproduktion angeregt

Gewürze, Farbstoffe & Co. können Auslöser der Nesselsucht sein

Gewürze können Nesselsucht-Auslöser sein

Scharfe Gewürze, Farbstoffe, Aroma- und Konservierungsstoffe sind nicht für alle Menschen gleichermaßen verträglich und sollten als potenzielle Auslöser der Nesselsucht mit Vorsicht genossen werden.

Und auch wenn Stresssituationen nicht immer vermieden werden können, sollten Nesselsucht-Patienten ihren Tagesablauf so einteilen, dass Ruhephasen ihren festen Platz haben und Entspannungstechniken, wie autogenes Training, zum Einsatz kommen können.

Entspannen und Stressabbau wichtig

Ein Tagebuch kann helfen, die Nesselsucht-Auslöser zu identifizieren

Diagnoseerfahrung von spezialisierten Dermatologen nutzen

Ein wichtiger Schritt für die Behandlung einer chronischen Urtikaria ist das Aufspüren eines Auslösers für die chronischen Hautattacken. Und die beste Chance, dass ein solcher Nesselsucht-Auslöser erkannt wird, den man abstellen kann, bietet die umfangreiche Diagnoseerfahrung des spezialisierten Dermatologen.

Experten in Urtikaria-Zentren gehen davon aus, dass bei genauer Suche mindestens bei jedem vierten Patienten mit einer chronischen Urtikaria am Ende eine induzierbare Urtikaria herauskommt.

Um einen Nesselsucht-Auslöser aufzuspüren, ist es allerdings wichtig, dass die Betroffenen ein Tagebuch über das Auftreten der Beschwerden führen – entweder auf Papier oder per digitaler NesselApp für Android-Mobilgeräte und iPhone und iPad. Darin wird täglich genau notiert, wie stark der Juckreiz und die Quaddeln auftreten, was gegessen oder getrunken wurde, ob Medikamente eingenommen wurden oder die Nesselsucht-Betroffenen starken Belastungen, wie Stress, ausgesetzt waren.

Mit Hilfe dieser Aufzeichnungen kann die sehr wechselhafte Erkrankung dokumentiert werden und die Experten kommen fraglichen Nesselsucht-Auslösern deutlich einfacher und schneller auf die Spur.