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Fragen & Antworten
zur Nesselsucht

Ist Nesselsucht erblich?

Nesselsucht ist nicht erblich

Aller Wahrscheinlichkeit nach nicht. In Deutschland tritt die Nesselsucht nach Experten-Schätzung als akute Beschwerde bei jedem vierten Bundesbürger mindestens einmal im Erwachsenenleben auf. Bei Kindern ist es eine relativ häufige Reaktion des Immunsystems nach einer Infektion.

Etwa jedes sechste Kind bekommt in den ersten Lebensjahren mindestens einmal die Nesselsucht, dies ist jedoch kein Anhaltspunkt, ob sich im Erwachsenenalter eine chronische Nesselsucht entwickelt. Eine familiäre Häufung dieser Form wurde jedoch bislang nicht festgestellt.1
 

Ist Nesselsucht ansteckend?

Nein. Die Nesselsucht wird nicht durch Erreger übertragen, sondern ist eine so genannte „Nicht allergische Überempfindlichkeitsreaktion“ des Körpers. Bei der Nesselsucht können unter anderem vielfach äußere Einflüsse, wie Licht oder Kälte, Lebensmittel oder Medikamente, aber auch das Immunsystem selbst die Mastzellen anregen und Histamin freisetzen. Die Folgen sind dann meist eine plötzliche Rötung der Haut. Innerhalb von Minuten tauchen die heftig juckenden Quaddeln an der Hautoberfläche auf – weißliche, klar konturierte Erhebungen. Ihre Ausdehnung schwankt zwischen Stecknadelkopf- bis über Handflächengröße; die Form zwischen kreisrund und flach bis plateauartig.
 

Nesselsucht ist nicht ansteckend

Welche Auswirkung hat Stress bei Nesselsucht und was hilft?

 

Stress ein erwiesener Auslöser

Bei der chronischen Nesselsucht ist Stress ein erwiesener Auslöser. Besonders deutlich ist dies bei der sogenannten cholinergischen Urtikaria, bei der Schwitzen und eine Erhöhung der Körpertemperatur, auch infolge von Stress, auslösend sind. Mehr als die Hälfte aller Patienten mit chronischer Nesselsucht berichten darüber hinaus davon, dass Stress das Auftreten von Schüben auslösen kann. Generell verstärkt Stress auch bei jeder Nesselsucht das Gefühl des Juckens. Hier ist es oft hilfreich, Entspannungstechniken oder autogenes Training einzusetzen, um aus dem Teufelskreis „Juckreiz-Stress-nochmehr-Juckreiz“ zu entkommen. 

Grundsätzlich ist es empfehlenswert, bei starkem Juckreiz und Hautrötungen den Rat eines Hautarztes einzuholen. Erster Ansprechpartner bei chronischen Hauterkrankungen ist der Dermatologe. Darüber hinaus gibt es auch Angebote sogenannter Nesselsucht-Sprechstunden. Mehrere Kliniken in ganz Deutschland verfügen über Urtikaria-Zentren mit spezialisierten Sprechstunden. Dort finden die Betroffenen Rat und Unterstützung.

Einmal Nesselsucht, immer Nesselsucht?

Zum Glück nein. Am Ende jeder Nesselsucht steht die „spontane Remission“. Das bedeutet, dass die Nesselsucht auch ohne ärztliche Behandlung irgendwann abheilen wird. Grundsätzlich wird bei der Nesselsucht zwischen ihrer akuten – Symptome für weniger als sechs Wochen – und der chronischen Form – Beschwerden länger als sechs Wochen – unterschieden. Man weiß, dass die chronische Urtikaria auch ohne ärztliche Behandlung eines mehr oder weniger fernen Tages abheilen wird. In über der Hälfte der Fälle erfolgt diese Remission, also das Nachlassen der Krankheitssymptome, im ersten Jahr. Es gibt jedoch viele Krankheitsfälle, bei denen die Nesselsucht über ein Jahr und zum Teil noch länger andauern kann. In Einzelfällen, hielt die Nesselsucht sogar bis zu fünfzig Jahre an.1 

 

Ist Nesselsucht heilbar?

 

Nesselsucht ist nicht heilbar

Leider nein. Bislang gibt es keine Behandlung, mit der eine chronische Urtikaria geheilt werden kann. Können Ursachen bzw. die Auslöser der Nesselsucht gefunden und beseitigt werden, lässt sich zumindest die Beschwerdefreiheit wieder herstellen. Laut aktueller Leitlinie stellt die Symptomfreiheit derzeit das oberste Ziel einer ärztlichen Behandlung dar. Dazu werden zumeist zwei Therapiewege parallel beschritten: Neben dem Erkennen und Vermeiden möglicher Schubauslöser werden die Beschwerden Juckreiz, Schwellung, Quaddeln medikamentös behandelt.2

Was kann ich gegen den Juckreiz tun?

Die betroffenen Bereiche schonen: Die Fingernägel sollten regelmäßig kurz geschnitten werden, damit die scharfen Kanten der langen Fingernägel beim Kratzen an den stark juckenden Stellen nicht zusätzlich die Haut verletzen.

Prinzipiell sollte allerdings erst gekühlt und gecremt werden, bevor man kratzt. Viele Betroffene duschen sich vor dem Schlafen-Gehen mit kaltem Wasser ab und achten auf eine niedrige Temperatur im Schlafzimmer. Die Kühlung mit Kompressen oder kühlenden Gels lässt den Juckreiz abklingen. Direkt auf der Hautoberfläche entfalten freiverkäufliche, mentholhaltige Cremes eine angenehm kühlende Wirkung.
 

Hausmittel gegen Juckreiz

Was muss ich bei Nesselsucht besonders beachten?

 

Medikamente können Nesselsucht auslösen

Auch wenn es banal klingt: Grundsätzlich gilt es, alle bekannten oder vermuteten Auslöser zu vermeiden. Das gilt vor allem für bestimmte Medikamente. Es gibt Beobachtungen, dass einige schmerzlindernde oder fiebersenkende Medikamente bereits bei einmaliger Einnahme Nesselsucht auslösen können - selbst wenn sie zuvor gut vertragen wurden. Bekannt sind hier so genannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR), also Schmerzmittel, die aufgrund ihrer entzündungshemmenden Wirkung auch in der Rheumatherapie eingesetzt werden.

Dazu zählen unter anderem Wirkstoffe wie Acetylsalicylsäure (ASS), Diclofenac oder Ibuprofen. Alternativ können aber andere Medikamente, z.B. Paracetamol, eingesetzt werden. Aber auch Alkohol oder Kaffee können die Beschwerden verstärken, da sie die Magenschleimhaut reizen und die Speicherung von Histamin in den ECL-Zellen (enterochromaffin-ähnliche Zellen; schütten Histamin aus und regen dadurch die Magensäureproduktion an) in der Magenschleimhaut einschränken. Diese Zellen sorgen gewöhnlich dafür, dass Histamin ausgeschüttet und dadurch die Magensäureproduktion angeregt wird. Wird die Aufnahme geblockt, wird mehr Histamin frei und kann die Quaddelbildung und den Juckreiz verursachen.

Wie gehe ich auf Reisen mit der Nesselsucht um?

In den Urlaub fahren können Nesselsucht-Patienten in der Regel ohne größere Einschränkungen. Es gibt lediglich einige, wenige Dinge zu beachten. So können bei Reisen in wärmere Länder, hohe Temperaturen und eine damit verbundene Schweissbildung die Haut provozieren, was die Betroffenen als unangenehm empfinden können. Hier empfiehlt sich eine weite, nicht am Körper anliegende, atmungsaktive Kleidung, die dem Körper Luft zuführen und so für ein wenig Kühlung der Haut sorgen kann. Darüber hinaus können scharf gewürzte Speisen, wie sie z. B. in orientalischen Ländern oft üblich sind, mögliche Auslöser für eine Hautreaktion sein. Diese sollten mit Vorsicht genossen werden. 
 

Nesselsucht und Reisen

Kann ich mit Nesselsucht arbeiten?

Nesselsucht im Berufsleben

Wichtig ist, für Menschen mit einer chronischen Nesselsucht ihren Arbeitstag so umzugestalten, dass er möglichst „reizarm“ ist. Dies können beispielweise regelmäßige Phasen der Entspannung bieten. Verschlechtert sich die Nesselsucht durch den Beruf, können Erkrankte die Schulungs- und Beratungsmaßnahmen der gesetzlichen Unfallversicherung nutzen, um den erlernten Beruf trotzdem auch weiterhin ausüben zu können.

 

Quellen:

1Maurer M, Weller K, Bindslev-Jensen C, et al. Unmet clinical needs in chronic spontaneous urticaria: A GA(2)LEN task force report. Allergy 2011;66:317–330. 
2Zuberbier T et al. The EAACI/GA2 LEN/EDF/WAO Guideline for the definition, classification, diagnosis, and management of urticaria: the 2013 revision and update. Allergy. 2014 Apr 30. doi: 10.1111/all.12313.