Kontaktformular
Urtikaria Formen
  • Zum einen unterscheidet man akute und chronische Urtikaria-Formen. Dauern die Symptome bis zu sechs Wochen an, spricht man von einer akuten Urtikaria, darüber hinaus von einer chronischen Urtikaria.
  • Zum anderen unterscheidet man spontan auftretende und induzierbare Urtikaria-Formen. Die spontanen Formen lassen sich nicht gezielt hervorrufen. Die induzierbaren Formen können z.B. durch physikalische Reize immer wieder ausgelöst werden. Zudem gibt es Mischformen, die durch verschiedene Reize ausgelöst werden können.

Die Urtikaria-Formen auf einen Blick

Es gibt eine Vielzahl an Urtikaria-Formen – drei Arten der Urtikaria lassen sich grundsätzlich unterscheiden: die akute Urtikaria (auch akute spontane Urtikaria genannt), die chronische spontane Urtikaria sowie die chronische induzierbare Urtikaria. Die spontanen Formen treten ohne offensichtliche Auslöser auf. Bei der chronischen induzierbaren Urtikaria können physikalische Reize die Symptome immer wieder auslösen. Abhängig von der Art des Reizes werden weitere Urtikaria-Formen unterschieden.

Die akute Urtikaria

Bei dieser am häufigsten auftretenden Form der Nesselsucht kommen die Symptome wie aus heiterem Himmel. Im Laufe seines Lebens erkrankt etwa jeder vierte in Deutschland an dieser Urtikaria-Form.1 Die Symptome, wie Quaddelbildung, Rötung und Juckreiz, verschwinden in der Regel in wenigen Tagen bis Wochen wieder. In manchen Fällen bleiben die Auslöser unklar. Häufig kann aber im Nachhinein ein Auslöser gefunden werden, beispielsweise kann ein Infekt oder die Einnahme eines Medikamentes dahinterstecken. Eine symptomatische Behandlung mit Antihistaminika reicht in der Regel aus, um die Symptome zu lindern.

Die chronische spontane Urtikaria

Wenn die Nesselsucht länger als sechs Wochen anhält beziehungsweise über einen Zeitraum von mehr als sechs Wochen täglich, wöchentlich oder auch seltener auftritt, liegt eine chronische Urtikaria vor. Sind die Ursachen nicht bekannt, spricht man von einer chronischen spontanen Urtikaria. Diese Form der Nesselsucht stellt eine besondere Belastung für die Erkrankten dar, da sie jederzeit ohne Vorzeichen auftreten kann und so den Alltag und die Lebensqualität massiv beeinträchtigt. Ein Auslöser kann oft schwer oder gar nicht gefunden werden. Die Erkrankten können dennoch beschwerdefrei leben, da Therapien zur Verfügung stehen um die Symptome der Nesselsucht einzudämmen.

Bei der Suche nach einem möglichen Auslöser für die chronische Urtikaria empfiehlt sich eine Abklärung versteckter Entzündungsherde beim Zahnarzt, Hals-Nasen-Ohrenarzt oder Gynäkologen.

Die chronische induzierbare Urtikaria

Diese Form der Urtikaria lässt sich durch physikalische Reize auslösen. Solche Reize können beispielsweise Kälte, Druck, Reibung oder Licht sein. Wirkt der Reiz auf die Haut ein, lassen sich die Symptome der Nesselsucht regelmäßig provozieren.2 Kennt man die Auslöser, können diese möglicherweise gemieden werden. In diesem Zusammenhang ist vor allem der Schwellenwert von praktischem Nutzen für die Erkrankten: es macht einen großen Unterschied, ob die Symptome bereits bei einer Temperatur von 20 Grad oder erst unterhalb von 4 Grad auftreten. Die verschiedenen Formen der chronischen induzierbaren Urtikaria sind folgende:3

  • Die cholinergische Urtikaria
    Schwitzen, Hitze und Anstrengung lösen diese Form der Urtikaria aus. Häufig machen sich die Symptome wie Juckreiz, kleine Quaddeln und Rötungen an Hals und Oberkörper bemerkbar. Nach dem Abkühlen verschwinden die Symptome meist binnen weniger Stunden wieder. Zu warme Kleidung, emotionale Erregung und scharf gewürzte Speisen können die Symptome ebenfalls auslösen.
     
  • Die Kälteurtikaria
    Löst Kälte die Nesselsucht-Symptome aus, spricht man von einer Kälteurtikaria. Quaddeln und Rötungen entstehen beispielsweise durch das Barfußlaufen auf kalten Fliesen oder Händewaschen mit kaltem Wasser. Da die sogenannte Schwellentemperatur, bei der die Symptome ausgelöst werden, individuell sehr verschieden ist, sollten Betroffene beim Hautarzt einen Test durchführen lassen, um sie zu ermitteln.
     
  • Die Druckurtikaria
    Die Druckurtikaria ist eine seltene Form der Nesselsucht, die durch Druck auf eine Hautstelle ausgelöst wird, zum Beispiel durch eine schwere Tragetasche oder einen Rucksack. Einige Stunden nach der Druckeinwirkung entstehen tiefliegende Schwellungen, die von Hautrötungen begleitet werden.

    Zur Sicherung der Verdachtsdiagnose Druckurtikaria führt der Hautarzt einen Test durch, bei dem ein fünf Kilo schweres stabförmiges Gewicht für 15 Minuten auf eine Hautstelle am Oberschenkel oder Arm einwirkt. Abgelesen wird der Test nach sechs Stunden: Entsteht an der getesteten Hautstelle eine feste, mit Rötungen einhergehende Schwellung, besteht eine Druckurtikaria.
     
  • Vibrationsurtikaria
    Wie der Name bereits vermuten lässt, werden bei dieser Form der Urtikaria die Symptome durch Vibration ausgelöst, beispielsweise beim Rasenmähen oder beim Arbeiten mit einem Presslufthammer. Bei dieser Form der Urtikaria stehen die Angioödeme im Vordergrund, die auch ohne begleitende Quaddeln auftreten können. Mit einem laufendenden Mixer kann man testen, ob Vibrationen die Symptome auslösen.
     
  • Der symptomatische Dermographismus (Urtikaria factitia)
    Die physikalischen Auslöser der Urtikaria factitia sind Scherkräfte, wie beispielsweise Reiben oder Kratzen. Die Urtikaria factitia ist eine der häufigsten auftretenden Urtikaria-Formen. Quaddeln und Rötungen können bereits durch das Abtrocknen mit einem Frottee-Handtuch oder das Scheuern von Kleidungsstücken hervorgerufen werden.
     
  • Die Lichturtikaria oder solare Urtikaria
    Licht, vor allem Sonnenlicht, kann bei Menschen mit Lichturtikaria Juckreiz, Quaddelbildung und Rötung der Haut auslösen. Die Hautpartien, die dem Licht ausgesetzt sind, reagieren innerhalb weniger Minuten mit den genannten Symptomen. Um herauszufinden, welche Anteile des Lichtspektrums die Reaktionen verursachen, führt der Hautarzt einen Test durch. Bei manchen Menschen mit Lichturtikaria ist der sichtbare Anteil des Lichts für die Auslösung der Beschwerden verantwortlich, bei anderen nur der unsichtbare UV-Anteil. Die meisten Betroffenen reagieren lediglich auf Sonnenlicht, während Kunstlicht die Beschwerden nicht hervorruft. Die Lichturtikaria darf nicht mit einer Sonnenallergie verwechselt werden, da beiden Erkrankungen verschiedene Mechanismen zugrunde liegen.

Quellen:
1.Marcus Maurer et al.: Diagnostik und Therapie der chronischen Urtikaria - was wird von Revision und Aktualisierung der internationalen Leitlinie erwartet? In: Allergo J 2013; 22 (5).
2.Internetseite des urticaria network e.V. http://www.urtikaria.net/de/formen-der-urtikaria/ueberblick.html. Zugriff am 17. Mai 2017.
3.Internetseite des Welt-Urtikaria-Tags. URL: http://urticariaday.org/uber-urtikaria/3-formen-der-urtikaria/. Zugriff am 17. Mai 2017.