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Urticaria factitia
  • Die Urticaria factitia ist die häufigste Form der physikalischen Urtikaria: Kratzen der Haut, Reiben oder Scheuern führen zu typischen Nesselsucht-Symptomen.
  • Im Mittelpunkt der Quaddel-Behandlung steht die Vermeidung von möglichen Auslösern, etwa zu enger Kleidung. Bei schweren Verläufen kann der Arzt Antihistaminika verschreiben.

Urticaria factitia: Juckende Quaddeln durch scheuernde Kleidung

Urticaria factitia kann mit „gemachter Nesselsucht“ übersetzt werden: Durch mechanische Reize wie zu enge, scheuernde Kleidungsstücke oder Kratzen der Haut bilden sich stark juckende, in Größe und Form unterschiedlich ausfallende Quaddeln – die Behandlung ist oft schwierig. Betroffen sind vor allem junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren.

Urticaria factitia: Häufigste Unterform der physikalischen Nesselsucht

Bei der Urticaria factitia bilden sich juckende Quaddeln, wenn die Haut der Betroffenen gekratzt, gerieben oder gescheuert wird. Sie gilt als häufigste Form der sogenannten physikalischen Nesselsucht, bei der physikalische Reize wie Druck, Licht, Kälte oder Wärme den Hautausschlag hervorrufen.1 

Die Haut von Urticaria-factitia-Patienten reagiert an exakt den Stellen, auf die die mechanischen Reize – häufig enge und scheuernde Kleidung – eingewirkt haben mit den typischen Nesselsucht-Symptomen: Rötungen, Quaddeln und Juckreiz.

Der Name geht auf das lateinische facere zurück, das sich mit „machen“ übersetzen lässt. Es handelt sich bei der Urticaria factitia also um eine „gemachte Nesselsucht“, was der Symptomatik durchaus entspricht: Der juckende Hautausschlag bildet sich nur, wenn mechanische Reize (sogenannte Scherkräfte) wie Kratzen und Scheuern von außen auf die Haut einwirken – im Gegensatz zur spontanen Nesselsucht entstehen die Quaddeln also nicht aus heiterem Himmel.

Neben Urticaria factitia sind die folgenden Bezeichnungen verbreitet3:

  • symptomatischer Dermographismus (eine Ableitung aus dem Griechischen, derma bedeutet Haut, gráphein heißt Schreiben)
  • dermographische Urticaria
  • urtikarieller Dermographismus
  • Hautschrift-Nesselsucht oder Schreibhaut-Nesselsucht

Haut kratzen: Provokationstest beim Arzt belegt Urticaria factitia

Zur Diagnose der Urticaria factitia führt der Hautarzt einen sogenannten Provokationstest durch: Mit dem stiftförmigen Dermographometer (oder alternativ mit einem stumpfen Holzspatel) reibt er über die Haut am Rücken oder den Unterarm des Patienten.1 

Wenn anschließend nicht nur Hautrötungen, sondern auch Quaddeln und Juckreiz auftreten, handelt es sich um eine Urticaria factitia.

Zugleich bestimmt der Arzt mithilfe des Dermographometers die genaue Reizschwelle, die zeigt, wie stark die aufgewendete Scherkraft sein muss, damit sich eine Quaddel bildet. Dabei ermittelt der Arzt die Latenzzeit, die Symptomdauer und den Juckreiz.2

In den meisten Fällen zeigt sich die Hautreaktion zwischen einer und fünf Minuten nach dem Haut-Kratzen und hält für etwa 30 Minuten an.

Eher selten kommen sogenannte Intermediär- und Spättypen vor: Hier treten die typischen Beschwerden mit großer Verzögerung auf, bleiben dafür jedoch bis zu zwei Tagen bestehen.

Außerdem bekannt ist der cholinergische urtikarielle Dermographismus, eine Sonderform der Urticaria factitia, bei der die Quaddeln punkt- und nicht strichförmig auftreten.

Quaddeln behandeln: Auslöser meiden und Medikamente verschreiben

Die genauen Ursachen für das Auftreten der Urticaria factitia sind noch nicht bekannt. Die Juckreiz- und Quaddel-Behandlung konzentriert sich bei dieser Nesselsucht-Form deshalb darauf, die Reizschwelle der Haut durch Kratzen oder Schaben zu ermitteln und die Auslöser der Symptome strikt zu vermeiden. Vor allem auf eng sitzende Kleidung, die scheuern könnte, sollten Patienten verzichten.

Wenn die Reizschwelle sehr niedrig liegt und die unangenehmen Symptome trotz der Vermeidung von mechanischen Reizen weiterhin auftreten, können Medikamente wie Antihistaminika der zweiten Generation helfen.

Vor allem in der Nacht auftretender Juckreiz wirkt sich belastend auf den Lebensalltag der Patienten aus: Chronischer Schlafmangel kann die Konzentration am Tage erheblich einschränken, zu psychischem Stress führen und das allgemeine Wohlbefinden beeinträchtigen. Neben den Antihistaminika, die in einigen Fällen Müdigkeit hervorrufen, können kühlende Cremes den Juckreiz lindern.

Auch einige Hausmittel können helfen, die juckende Haut zu beruhigen und das Kratzverlangen abzuschwächen.

Insgesamt ist eine zuverlässige Prognose, wie gut die verschriebene Juckreiz- und Quaddel-Behandlung wirken wird, bei einer Urticaria factitia leider nicht möglich. Das Ansprechen der Therapie ist von Patient zu Patient sehr unterschiedlich.

Urticaria factitia durch Haut kratzen: Vor allem junge Menschen betroffen

Die medizinische Forschung geht davon aus, dass bis zu fünf Prozent der Gesamtbevölkerung von Urticaria factitia betroffen sind. Die Hälfte aller Patienten mit chronischer Urtikaria leidet zumindest zeitweilig auch unter den Beschwerden der Urticaria factitia.

Betroffen sind vor allem junge Menschen zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Bei Frauen liegt das Erkrankungsrisiko statistisch gesehen leicht höher als bei Männern.

Die Heilung erfolgt spontan und ohne Zutun von außen: Nach durchschnittlich zwei bis fünf Jahren sind Betroffene wieder komplett von der Urticaria factitia befreit – dann verschwinden die Quaddeln, eine Behandlung ist nicht länger notwendig.1 

Allerdings handelt es sich bei diesem Zeitraum um einen statistischen Mittelwert, der im Einzelfall höher oder niedriger liegen kann.1

 

Quellen: 

1 Internetseite des UNEV – Urticaria Network e. V.: Was ist eine Urticaria factitia? URL: http://www.urtikaria.net/de/formen-der-urtikaria/physikalische-urtikaria/urticaria-factitia.html. Zugriff am 5. Oktober 2017.
2 Marcus Maurer: Urtikaria behandeln wird immer einfacher. URL: http://beta.medical-tribune.de/medizin/fokus-medizin/artikeldetail/urtikaria-behandeln-wird-immer-einfacher.html. Zugriff am 5. Oktober 2017.
3 Internetseite der Online-Enzyklopädie der Dermatologie, Venerologie, Allergologie und Umweltmedizin: Urticaria factitia. URL: http://www.enzyklopaedie-dermatologie.de/artikel?id=4157. Zugriff am 5. Oktober 2017.